Alfred Adler, Begründer der Individualpsychologie und wichtiger Vertreter der Tiefenpsychologie.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Methoden, Ablauf und Anwendungsbereiche
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist ein wissenschaftlich anerkanntes psychotherapeutisches Verfahren. Sie geht davon aus, dass aktuelle psychische Beschwerden unter anderem mit unbewussten Konflikten, inneren Spannungen und verinnerlichten Beziehungserfahrungen zusammenhängen können.
Das Verfahren hat sich aus der Psychoanalyse entwickelt. Im Unterschied zur klassischen Psychoanalyse arbeitet die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie stärker fokussiert und orientiert sich an konkreten aktuellen Problemen und Therapiezielen.
Alfred Adler zählt zu den wichtigen historischen Vertretern der Tiefenpsychologie und begründete die Individualpsychologie.
Was ist tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie?
Im Mittelpunkt steht die Frage, welche unbewussten psychischen Prozesse und Beziehungsmuster mit den aktuellen Beschwerden zusammenhängen. Dabei richtet sich der Blick sowohl auf die gegenwärtige Lebenssituation als auch auf prägende Erfahrungen aus früheren Lebensphasen.
Die aktuelle Psychotherapie-Richtlinie beschreibt die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als ein Verfahren, bei dem die unbewusste Psychodynamik aktuell wirksamer Konflikte und struktureller Probleme bearbeitet wird. Der therapeutische Prozess ist dabei vorwiegend konfliktzentriert und auf konkrete Behandlungsziele ausgerichtet.
Wie läuft eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ab?
Zu Beginn stehen eine psychotherapeutische Sprechstunde, die diagnostische Einschätzung und die gemeinsame Klärung der Therapieziele. Im weiteren Verlauf werden zentrale Konflikte und wiederkehrende Beziehungsmuster herausgearbeitet.
Die Therapeutin oder der Therapeut unterstützt dabei, Zusammenhänge zwischen aktuellen Beschwerden, Gefühlen, Gedanken und früheren Erfahrungen zu erkennen. Die therapeutische Beziehung kann dabei ebenfalls wichtige Hinweise auf wiederkehrende Beziehungsmuster geben.
Zentrale Methoden der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
- Fokussierung: Therapeutin oder Therapeut und Patient konzentrieren sich auf einen zentralen Konflikt oder ein konkretes Problem, das für die aktuellen Beschwerden besonders bedeutsam ist.
- Klärung: Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse und Verhaltensweisen werden genauer betrachtet und verständlicher gemacht.
- Konfrontation: Widersprüche oder wiederkehrende Muster können vorsichtig angesprochen werden, damit sie bewusster wahrgenommen und verstanden werden können.
- Deutung: Die Therapeutin oder der Therapeut stellt mögliche Zusammenhänge zwischen aktuellen Problemen, früheren Erfahrungen und unbewussten Motiven her.
- Übertragung: Gefühle und Beziehungserwartungen, die in früheren Beziehungen entstanden sind, können sich teilweise auch in der therapeutischen Beziehung zeigen und dort bearbeitet werden.
- Gegenübertragung: Auch die Reaktionen und Gefühle der Therapeutin oder des Therapeuten können im therapeutischen Prozess berücksichtigt werden.
„`
„`
Welche Rolle spielen unbewusste Konflikte?
Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist das Verständnis von Konflikten, die einer Person möglicherweise nicht vollständig bewusst sind. Dabei kann es beispielsweise um Spannungen zwischen Autonomie und Abhängigkeit, Nähe und Distanz oder Selbstwert und Anerkennung gehen.
Das Ziel besteht nicht darin, jede aktuelle Schwierigkeit auf ein einzelnes Ereignis aus der Kindheit zurückzuführen. Vielmehr soll verstanden werden, welche psychischen und zwischenmenschlichen Muster heute wirksam sind und wie sie verändert werden können.
Typische Anwendungsbereiche
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:
- Depressive Störungen: insbesondere wenn innere Konflikte, Verlusterfahrungen, Selbstwertprobleme oder belastende Beziehungserfahrungen eine Rolle spielen.
- Angst- und Panikstörungen: Hier können hinter den Ängsten liegende Konflikte und Beziehungsmuster untersucht werden.
- Anpassungsstörungen: Die Therapie kann dabei helfen, belastende Lebensereignisse wie Trennung, Trauer, Erkrankung oder andere einschneidende Veränderungen psychisch zu verarbeiten.
- Somatische und psychosomatische Beschwerden: Bei körperlichen Beschwerden mit psychischen Einflussfaktoren können die damit verbundenen emotionalen und psychischen Belastungen berücksichtigt werden.
- Persönlichkeitsstörungen: Die Behandlung kann dazu beitragen, wiederkehrende Beziehungsmuster, innere Konflikte und Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation besser zu verstehen und zu verändern.
„`
„`
Ob eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie geeignet ist, hängt immer von der individuellen Diagnose, der aktuellen Belastung und den persönlichen Therapiezielen ab.
Wie lange dauert die Therapie?
Die Dauer ist individuell unterschiedlich. Nach Angaben der 116117 findet eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie häufig mit ein bis zwei Therapiestunden pro Woche statt und kann sich über einige Monate bis zu drei Jahren erstrecken.
Die konkrete Behandlungsdauer hängt unter anderem von der Erkrankung, den Therapiezielen und dem individuellen Verlauf ab. Die aktuelle Psychotherapie-Richtlinie sieht neben längerfristigen Behandlungen auch verschiedene Sonderformen wie Kurztherapie, Fokaltherapie, dynamische Psychotherapie und niederfrequente Therapie vor.
Einzel- oder Gruppentherapie?
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann als Einzeltherapie, Gruppentherapie oder in einer Kombination verschiedener Settings durchgeführt werden. Welche Form geeignet ist, wird gemeinsam mit der behandelnden Therapeutin oder dem behandelnden Therapeuten entschieden.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gehört in Deutschland zu den wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren, die im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung eingesetzt werden können. Voraussetzung ist unter anderem, dass eine entsprechende psychische Erkrankung vorliegt und die Behandlung von einer dafür zugelassenen beziehungsweise entsprechend qualifizierten Person durchgeführt wird.
Vor einer längerfristigen Behandlung finden zunächst eine psychotherapeutische Sprechstunde und probatorische Sitzungen statt. Die weitere Behandlung wird entsprechend den geltenden Regelungen vorbereitet und gegebenenfalls bei der Krankenkasse beantragt.
Wie findet man eine geeignete Praxis?
Für eine psychotherapeutische Sprechstunde ist grundsätzlich keine Überweisung erforderlich. Die 116117 bietet eine bundesweite Suche nach psychotherapeutischen Praxen und unterstützt bei der Terminvermittlung.
Bei der ersten Sprechstunde kann geklärt werden, welche Behandlung und welches Psychotherapieverfahren für die jeweilige Situation sinnvoll sind.
Was unterscheidet TP von Psychoanalyse und Verhaltenstherapie?
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse gehören beide zu den psychoanalytisch begründeten Verfahren. Die TP arbeitet jedoch stärker fokussiert auf aktuelle Konflikte und konkrete Therapieziele und ist zeitlich begrenzt.
Die Verhaltenstherapie setzt dagegen stärker bei aktuellen Denk- und Verhaltensmustern an und arbeitet häufig mit konkreten Übungen und Verhaltensänderungen. Welches Verfahren geeignet ist, hängt von der individuellen Situation und den gemeinsamen Therapiezielen ab.
Welche Bedeutung hat die therapeutische Beziehung?
Die Beziehung zwischen Patient und Therapeutin oder Therapeut ist ein wichtiger Bestandteil der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Gefühle, Erwartungen und wiederkehrende Beziehungsmuster können sich auch im therapeutischen Kontakt zeigen.
Diese Erfahrungen können gemeinsam betrachtet und genutzt werden, um problematische Muster besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang mit anderen Menschen zu entwickeln.
Fazit
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie verbindet die Auseinandersetzung mit unbewussten psychischen Konflikten mit einem klaren Bezug zu aktuellen Problemen und konkreten Therapiezielen. Sie kann bei verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt werden und gehört zu den wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren.
Ob die Methode im Einzelfall geeignet ist, sollte nach einer fachlichen diagnostischen Einschätzung gemeinsam mit einer qualifizierten Psychotherapeutin oder einem qualifizierten Psychotherapeuten entschieden werden.
Weitere Informationen: Psychoanalyse | Psychotherapie über 116117
Video zur Tiefenpsychologie
TYPISCHE THERAPIEPROZESSE IN DER TIEFENPSYCHOLOGIE
Therapie verläuft wie eine bedeutsame Beziehung.
Beziehungen bestehen aus Beziehungserlebnissen.
Es gibt darinnen angenehme und unangenehme Episoden.
Entscheidend ist die Haltbarkeit und Verlässlichkeit des Bezuges. ...
Ein Kontinuum des Fortschreitens.
Zu Beginn steht die Zuversicht, die begonnene Therapie werde einen nun endlich auf einen „guten Weg“ bringen.
Nach einiger Zeit entstehen- wie im realen Leben auch:
- Ernüchterungen
- Abbau von Illusionen
- Frustrationen
- Klarheiten, die vielleicht bisher zu bestimmten Themen nicht bestanden
- aber auch realistischere Sichtweisen
- Schätzen des unmittelbaren Bezuges zu der Begleiterin/Begleiter und den Umständen, wie sie nun einmal im Leben sind
- es zeigt sich immer mehr „was ist im gegenwärtigen Leben wesentlich - und was nicht? “
- Kurz: Es gibt, wie immer im Leben Gutes und Schlechtes/Problematisches, das letztlich alles WERTVOLL und wichtig ist
- Sprachlicher Austausch im dichten Bezug führt zu klarerem persönlichen Reflexionsvermögen und damit zu Wachstum und neuen Sichtweisen
Dies alles bringt mehr Stabilität für einen Menschen.
Es ist das, was die Tiefenpsychologie gerne als „Nachreifen“ bezeichnet.
Alles ist immer wieder auch ein Prozess des Haltens und Durchhaltens.
„In guten wieviel schlechten Zeiten“
In diesem gemeinsamen Engagement entstehen neue Perspektiven.
Therapeuten werden NICHT idealisiert, sondern als besondere Bezugspartner verstanden, die MENSCHLICH sind - mit Fehlern und Vorzügen.
Es entstehen Respekt, Gütigkeit für das Fremde und Eigene - Demut und immer wieder Dankbarkeit.
All das jenseits von Technizismus, sondern immer im Sinne der einmaligen persönlichen Begegnung.
All das braucht Zeit.
Braucht „Off-Situationen“, Nicht-tun, Loslassen, intensives, aber zeitlich strikt begrenztes Engagement, unterbewusste Prozesse, also Wirkungen.
Insofern sind 20, 40, 50 Sitzungen immer noch vertretbare und relativ kurze Therapien und nicht nur illusionistische „Spots“ von z. B. „technischen, rasch machbaren Interventionen und Versprechungen“.
Letztlich ist aus all dem ein echter Fortschritt im Vergleich zu dem „Eingangszustand“ geworden.
Zukünftige Konflikte können dadurch auch alleine besser bewältigt werden, weil reflektierendes Bewusstsein etabliert wurde.
AUFGABEN:
Entwerfe einen „Klienten X“.
Beschreibe ihn in seiner Thematik - KEINE ICD-DIAGNOSTIK!
Beschreibe sein therapeutisches Bemühen, aber auch sein Scheitern, seinen Ausdruck, seine Probleme.
Seine Höhen und Tiefen.
Beschreibe EUER therapeutisches Miteinander.
Schildere 25 Sitzungen jeweils in kurzen, DEUTENDEN Stichworten: Sitzung 1 bis 25....über eine Periode von 1/2 bis 3/4 Jahr.
Was ist entstanden?Mehr anzeigen