13. September 2026

1 Gedanken zu „Ein Tabu Thema Sexualität und Behinderung

  1. Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag.

    Gerade beim Thema Sexualität und Behinderung gibt es meiner Meinung nach auch heute noch viele Vorurteile und Berührungsängste. Menschen mit Behinderung werden häufig in erster Linie über ihre Behinderung wahrgenommen, zum Beispiel als hilfsbedürftig, schutzbedürftig oder pflegebedürftig. Viel zu selten werden sie selbstverständlich auch als Menschen mit Wünschen, Begehren, Erotik und Sexualität wahrgenommen.

    Für mich gehört zur Selbstbestimmung deshalb nicht nur das Recht auf Partnerschaft, Nähe und Sexualität. Dazu gehört ebenso die Freiheit, den eigenen Körper so wahrzunehmen und darzustellen, wie man selbst es möchte. Das kann auch bedeuten, sich bewusst sinnlich oder erotisch zu zeigen, Aktaufnahmen von sich machen zu lassen oder sich selbst nackt zu fotografieren.

    Gerade die Aktfotografie kann dabei eine interessante Form der Selbstdarstellung und der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper sein. Ein Körper mit Behinderung muss nicht versteckt werden und ebenso wenig ausschließlich dokumentarisch oder unter dem Gesichtspunkt der Behinderung gezeigt werden. Er kann ästhetisch, selbstbewusst, sinnlich und erotisch dargestellt werden, genauso wie jeder andere Körper.

    Dabei sollte selbstverständlich immer der betroffene Mensch selbst entscheiden, wie weit er gehen möchte, was er von sich zeigen möchte und wem gegenüber. Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Teil von Selbstbestimmung.

    Ich habe mich mit diesem Thema auch selbst schon vor längerer Zeit öffentlich auseinandergesetzt. Im HANDICAP Magazin, Ausgabe 1/2012, erschien ein Beitrag über mich und meine Auseinandersetzung mit Behinderung, Körperbild, Selbstdarstellung und Aktfotografie. Wer sich dafür interessiert, kann den Beitrag und weitere Informationen hier ansehen:

    http://leserfoto.de/wilfried.html

    Mir ist wichtig, dass wir beim Thema Sexualität und Behinderung nicht ausschließlich über Beratung, Sexualbegleitung oder bestehende Barrieren sprechen. Diese Themen sind wichtig. Aber Menschen mit Behinderung sollten auch ganz selbstverständlich selbst Akteure sein dürfen. Sie sollten flirten, lieben, begehren, begehrt werden, experimentieren, sich erotisch darstellen und ihre eigene Sexualität nach ihren Vorstellungen leben dürfen.

    Vielleicht trägt gerade mehr sichtbare und selbstbestimmte Selbstdarstellung dazu bei, eines der hartnäckigsten Vorurteile abzubauen, nämlich die Vorstellung, dass Behinderung und Erotik nicht zusammenpassen würden.

    Für mich gehören Behinderung, Selbstbestimmung, Körperlichkeit, Erotik und Sexualität jedenfalls nicht in getrennte Schubladen. Sie können ganz selbstverständlich Teile ein und desselben Lebens sein.

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