Absencen – wenn das Gehirn kurz aussetzt
Die aktuellen gesundheitlichen Probleme von Bayern-Profi Jamal Musiala haben eine neurologische Besonderheit stärker in den öffentlichen Fokus gerückt: Absencen. Dabei handelt es sich um kurze epileptische Anfälle, bei denen das Bewusstsein vorübergehend gestört sein kann.
In diesem Beitrag erklären wir verständlich, was Absencen sind, wie sie sich bemerkbar machen, welche Ursachen und Auslöser infrage kommen, wie die Diagnose gestellt wird und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Außerdem geht es darum, was über die von Musiala öffentlich gemachten Absencen bekannt ist.
Wichtig: Dieser Beitrag erklärt medizinische Zusammenhänge allgemein und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder individuelle Diagnose.
Was sind Absencen?
Absencen sind eine Form epileptischer Anfälle. Während einer Absence kommt es für kurze Zeit zu einer Störung des Bewusstseins. Betroffene wirken plötzlich abwesend, unterbrechen eine begonnene Handlung und reagieren während des Anfalls häufig nicht oder nur eingeschränkt auf ihre Umgebung.
Typisch ist, dass eine Absence relativ kurz dauert und die betroffene Person anschließend schnell wieder zum normalen Zustand zurückkehrt. Anders als bei einem großen tonisch-klonischen Anfall stehen meist keine starken Krämpfe im Vordergrund.
Absencen können deshalb von Außenstehenden leicht mit Unaufmerksamkeit, Tagträumen oder einem kurzen „Wegtreten“ verwechselt werden. Gerade weil die Anfälle so kurz sein können, werden sie nicht immer sofort erkannt.

Absencen bei Jamal Musiala
Im August 2026 geriet Jamal Musialas Gesundheitszustand nach zwei Zusammenbrüchen bei Testspielen des FC Bayern München innerhalb weniger Tage in den Fokus der Öffentlichkeit. Musiala erklärte anschließend selbst, bei ihm seien „temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen“ festgestellt worden, die auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen seien.
Medienberichte beschrieben dabei Situationen, in denen Musiala auf dem Spielfeld plötzlich zusammensackte und anschließend medizinisch behandelt werden musste. Eine neurologische Untersuchung ist jedoch entscheidend, um die genaue Ursache solcher Ereignisse festzustellen. Eine Diagnose sollte deshalb nicht allein anhand von Videoaufnahmen oder eines einzelnen Vorfalls gestellt werden.
Ein Neurologe des Universitätsklinikums Essen erklärte gegenüber dem WDR, dass eine Absence-Epilepsie als mögliche Ursache der geschilderten Ereignisse infrage kommen könne, betonte aber zugleich, dass Ferndiagnosen mit Vorsicht zu betrachten sind.
Für die sportliche Leistungsfähigkeit ist entscheidend, dass die Erkrankung medizinisch gut eingestellt wird. Zwischen Anfällen können Menschen mit Epilepsie grundsätzlich völlig unauffällig sein. Auch sportliche Aktivität kann je nach Erkrankungsform, Behandlung und individueller Situation möglich sein.
Wie macht sich eine Absence bemerkbar?
Eine Absence kann für Außenstehende sehr unscheinbar wirken. Typische Anzeichen können sein:
- plötzliches Innehalten: Eine begonnene Handlung wird für kurze Zeit unterbrochen.
- starrer oder leer wirkender Blick: Die betroffene Person scheint für einen Moment nicht anwesend zu sein.
- eingeschränkte Reaktion: Während des Anfalls wird auf Ansprache häufig nicht normal reagiert.
- kurze Unterbrechung der Sprache: Ein Satz oder Gespräch kann plötzlich abbrechen.
- kleine automatische Bewegungen: In manchen Fällen können beispielsweise Blinzeln oder leichte Bewegungen des Mundes auftreten.
- schnelle Erholung: Nach dem Anfall ist die betroffene Person meist rasch wieder ansprechbar.
Bei typischen Absencen kommt es normalerweise nicht zu einer längeren Verwirrtheit nach dem Anfall. Genau diese schnelle Rückkehr zum normalen Zustand kann dazu beitragen, dass die Ereignisse zunächst übersehen werden.
Wie lange dauert eine Absence?
Typische Absencen dauern meist nur wenige Sekunden. Sie können so kurz sein, dass sie im Alltag kaum auffallen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Dauer eines einzelnen Ereignisses, sondern auch, wie häufig solche Aussetzer auftreten und unter welchen Umständen sie vorkommen.
Längere Bewusstseinsstörungen, starke Krämpfe, Verletzungen oder ungewöhnlich lange Anfälle passen nicht ohne Weiteres zum typischen Bild einer Absence und sollten medizinisch abgeklärt werden.
Was passiert bei einer Absence im Gehirn?
Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer vorübergehend veränderten elektrischen Aktivität von Nervenzell-Netzwerken im Gehirn. Bei Absencen betrifft diese Aktivität vor allem Netzwerke, die an der Aufrechterhaltung des Bewusstseins beteiligt sind.
Vereinfacht gesagt arbeiten die beteiligten Nervenzellen während des Anfalls für kurze Zeit nicht mehr in ihrem normalen Rhythmus. Dadurch kann das Bewusstsein vorübergehend beeinträchtigt werden. Nach dem Ende des Anfalls normalisiert sich die Hirnaktivität wieder.
Welche Ursachen haben Absencen?
Die Ursachen hängen unter anderem von der jeweiligen Epilepsieform ab. Bei bestimmten Formen spielen genetische beziehungsweise erbliche Faktoren und die individuelle Entwicklung des Nervensystems eine Rolle. Eine einzelne Ursache lässt sich deshalb nicht bei allen Betroffenen feststellen.
Bestimmte Situationen können epileptische Anfälle begünstigen. Dazu gehören unter anderem:
- Schlafmangel
- Stress und starke Belastung
- Alkohol
- bei bestimmten Epilepsieformen: schnelle Atmung (Hyperventilation)
Ein solcher Auslöser ist jedoch nicht automatisch die Ursache der Epilepsie. Nicht jeder Anfall lässt sich einem konkreten Auslöser zuordnen.
Wie werden Absencen diagnostiziert?
Bei Verdacht auf Absencen ist eine neurologische Abklärung wichtig. Die Ärztin oder der Arzt versucht zunächst möglichst genau zu erfassen, wie sich die Ereignisse zeigen, wie lange sie dauern und wie häufig sie auftreten.
Zur Untersuchung kann insbesondere ein EEG (Elektroenzephalografie) eingesetzt werden.
- Anamnese: Betroffene und Angehörige beschreiben die beobachteten Ereignisse.
- EEG: Die elektrische Aktivität des Gehirns wird gemessen und kann typische epileptische Muster zeigen.
- Hyperventilation im Rahmen der Untersuchung: Bei bestimmten Absence-Formen kann kontrollierte schnelle Atmung einen Anfall auslösen und dadurch typische EEG-Veränderungen sichtbar machen.
- Weitere Untersuchungen: Je nach Situation können zusätzliche neurologische Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen auszuschließen.
Das EEG ist besonders wichtig, weil ähnliche kurze Aussetzer auch andere Ursachen haben können. Eine zuverlässige Diagnose sollte deshalb durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.
Wie werden Absencen behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der genauen Epilepsieform, dem Alter, weiteren Anfällen und der individuellen Situation. Häufig kommen Medikamente gegen epileptische Anfälle zum Einsatz. Ziel ist es, die Anfälle möglichst vollständig zu verhindern und gleichzeitig Nebenwirkungen gering zu halten.
Bei geeigneter Behandlung können viele Menschen mit Absencen dauerhaft anfallsfrei werden. Aktuelle neurologische Einschätzungen betonen, dass Absencen in vielen Fällen gut behandelbar sind.
Welche Medikamente geeignet sind, muss individuell durch eine neurologische Fachärztin oder einen neurologischen Facharzt entschieden werden. Medikamente sollten nicht eigenständig begonnen, verändert oder abgesetzt werden.
Kann man mit Absencen Sport treiben?
Eine Epilepsie bedeutet nicht automatisch, dass sportliche Aktivitäten verboten sind. Ob und welche Sportarten geeignet sind, hängt unter anderem von der Art der Anfälle, der Anfallskontrolle und der jeweiligen Sportart ab.
Ein Neurologe des Epilepsiezentrums der Universitätsklinik Freiburg erklärte im Zusammenhang mit Musiala, dass Menschen zwischen den Anfällen grundsätzlich normal funktionieren und auch Leistungssport betreiben können.
Bei Sportarten mit besonderem Verletzungsrisiko oder Situationen, in denen ein kurzer Bewusstseinsverlust gefährlich werden kann, ist eine individuelle ärztliche Beratung besonders wichtig.
Warum werden Absencen häufig übersehen?
Ein wesentlicher Grund ist ihre kurze Dauer. Wer nur wenige Sekunden innehält und anschließend sofort wieder normal weiterredet, kann auf andere einfach unkonzentriert oder gedankenverloren wirken.
Besonders bei Kindern können wiederholte Absencen deshalb mit Unaufmerksamkeit oder Konzentrationsproblemen verwechselt werden. Hinweise können beispielsweise häufige kurze Unterbrechungen im Gespräch, wiederholtes „Wegtreten“ oder auffällige Lücken bei alltäglichen Tätigkeiten sein.
Werden solche Situationen regelmäßig beobachtet, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Eine frühe Diagnose kann dazu beitragen, geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu finden und unnötige Einschränkungen im Alltag zu vermeiden.
Was sollten Angehörige und andere Menschen im Umfeld wissen?
Ein kurzer epileptischer Anfall kann für Außenstehende irritierend oder beunruhigend sein. Wichtig ist, die betroffene Person nicht vorschnell als unaufmerksam oder desinteressiert zu beurteilen.
Wenn eine Epilepsie bekannt ist, kann es hilfreich sein, dass Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen oder bei Kindern auch Lehrkräfte über die Erkrankung informiert sind. So können kurze Aussetzer besser eingeordnet werden.
Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?
Wiederholte kurze Bewusstseinsaussetzer sollten medizinisch abgeklärt werden, insbesondere wenn sie ohne bekannte Diagnose auftreten. Auch nach einem erstmaligen Anfall ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll.
Bei einem erstmaligen Krampfanfall, einer länger anhaltenden Bewusstseinsstörung, einer Verletzung oder mehreren Anfällen hintereinander sollte unverzüglich medizinische Hilfe organisiert werden.
Absencen sind nicht einfach „Tagträumen“
Absencen können äußerlich unspektakulär aussehen und dennoch eine neurologische Erkrankung anzeigen. Genau deshalb ist es wichtig, wiederkehrende kurze Aussetzer ernst zu nehmen und fachärztlich abklären zu lassen.
Der öffentliche Umgang mit dem Thema kann gleichzeitig dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Epilepsie abzubauen. Eine Epilepsie sagt nichts über die Intelligenz, Leistungsfähigkeit oder Persönlichkeit eines Menschen aus. Mit einer geeigneten Behandlung können viele Betroffene ihren Alltag weitgehend normal gestalten.
Musiala & sein emotionales Statement nach seinen Zusammenbrüchen! Was steckt dahinter?
►Werde Kanalmitglied: https://www.youtube.com/channel/UCVaEULgyjlNweNdl0lBzTRA/join
►Spenden: https://www.tipeeestream.com/davinciyoutube/donation
►EMAIL: collabsdavinci@gmail.com (NUR FÜR GESCHÄFTLICHE ANFRAGEN)
#bvb #bvbnews #bundesliga #fussballnews #fussballtalk #fußball #fussball #transfers #transferupdate #transfernews
Meine ...anderen Kanäle & soziale Medien:
Davinci: https://www.youtube.com/channel/UCtbfef0wgqxs38cNm0_0w7A
Davinci Talks: ►Zweitkanal:https://www.youtube.com/channel/UCxTbFEsJV2QGHbpAb7VlP-g/featured
Twitch: https://www.twitch.tv/davinciyoutube
Mein Twitter: https://twitter.com/davinciyoutube
Mein Instagram: https://instagram.com/davinciyoutube/
Mein TikTok: https://www.tiktok.com/@davinciyoutubeMehr anzeigen
Fazit
Absencen sind kurze epileptische Anfälle mit einer vorübergehenden Bewusstseinsstörung. Sie können nur wenige Sekunden dauern und deshalb leicht übersehen werden. Eine genaue Diagnose erfolgt unter anderem mithilfe der Krankengeschichte und eines EEGs.
Der aktuelle Fall von Jamal Musiala hat das Thema einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Nach seinen eigenen Angaben wurden bei ihm kurz auftretende und gut behandelbare Absencen festgestellt. Welche genaue neurologische Diagnose dahintersteht, sollte jedoch nicht aus der Ferne beurteilt werden.
Für Menschen mit Absencen gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Entscheidend sind eine fachärztliche Diagnose, eine individuell passende Therapie und ein Umfeld, das die Erkrankung versteht und ernst nimmt.
Epilepsie
Was bedeutet eine Epilepsie für Betroffene und ihren Alltag? Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen und bedeutet nicht automatisch, dass Menschen in ihrem Leben stark eingeschränkt sind.
Entscheidend sind die jeweilige Form der Epilepsie, die Häufigkeit der Anfälle und die individuelle Behandlung. Viele Menschen mit Epilepsie können arbeiten, Sport treiben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
Mehr über die Erkrankung, mögliche Anfallsformen, Behandlungsmöglichkeiten und das Leben mit Epilepsie erfahren Sie in meinem ausführlichen Beitrag: „Epilepsie – das Gewitter im Kopf: Leben mit Epilepsie“.
⇒ Mehr über Epilepsie erfahren
Weiterführende Informationen
- Tagesschau: Was hinter Musialas Zusammenbrüchen steckt
- ZDFheute: Jamal Musiala und Absencen
- Merkur: Was sind Absencen?
Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Bei wiederholten Bewusstseinsaussetzern oder anderen ungewöhnlichen neurologischen Symptomen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Medikamente gegen Epilepsie sollten nur nach ärztlicher Anweisung eingenommen, verändert oder abgesetzt werden.