Eckart von Hirschhausen: ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter 2023
Eckart von Hirschhausen und ADHS – Wenn ein Arzt selbst betroffen ist
Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Wissenschaftsjournalist, Moderator und Kabarettist, hat 2023 öffentlich gemacht, dass bei ihm selbst eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert wurde. Die Diagnose erhielt er während der Dreharbeiten zu seiner ARD-Dokumentation „Hirschhausen und ADHS“. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Sein offener Umgang mit der Diagnose lenkt den Blick auf ein Thema, das lange unterschätzt wurde: ADHS betrifft nicht nur Kinder, sondern kann auch im Erwachsenenalter bestehen. Bei Erwachsenen zeigen sich die Beschwerden allerdings nicht immer in Form offensichtlicher Hyperaktivität. Häufig stehen beispielsweise Konzentrationsprobleme, Impulsivität, innere Unruhe, Vergesslichkeit oder Schwierigkeiten bei der Organisation des Alltags im Vordergrund.
ADHS bei Erwachsenen – häufig lange unerkannt
Die persönliche Geschichte von Hirschhausen macht deutlich, warum ADHS bei Erwachsenen teilweise erst spät erkannt wird. Er berichtete, dass er schon länger einen Verdacht hatte, die eigentliche Diagnostik aber erst im Rahmen der Dokumentation erfolgte. Für eine ADHS-Diagnose gibt es keinen einzelnen Bluttest oder bildgebenden Befund. Stattdessen gehören ausführliche Gespräche, Fragebögen und die Betrachtung der individuellen Lebensgeschichte zur Diagnostik. Außerdem müssen andere mögliche Ursachen für die Beschwerden berücksichtigt und ausgeschlossen werden. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Bei Hirschhausen wurden nach eigener Aussage unter anderem Impulsivität, das Verlieren wichtiger Dinge, Schwierigkeiten bei der Planung und ein ausgeprägter Hyperfokus festgestellt. Dabei kann die Aufmerksamkeit zeitweise sehr stark auf eine Tätigkeit gerichtet sein, während andere Aufgaben oder Termine aus dem Blick geraten. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
Auch seine Kindheit spielte bei der Diagnostik eine Rolle. Hirschhausen erinnerte sich unter anderem an Hinweise aus seinen damaligen Schulzeugnissen und an eine ausgeprägte Unruhe. Gleichzeitig beschrieb er seine Hyperaktivität als vergleichsweise wenig sichtbar: Die „Unruhe“ finde bei ihm teilweise eher im Kopf als in den Beinen statt. :contentReference[oaicite:3]{index=3}
Was zeigt die Dokumentation „Hirschhausen und ADHS“?
Die ARD-Dokumentation verbindet medizinische Informationen mit persönlichen Erfahrungen. Hirschhausen macht dabei nicht nur seine eigene Diagnose öffentlich, sondern beschäftigt sich auch mit den Auswirkungen von ADHS auf das Leben anderer Betroffener.
Ein wichtiges Anliegen ist es, Vorurteile gegenüber ADHS abzubauen. ADHS sollte nicht auf das Bild eines „zappeligen Kindes“ reduziert werden. Gerade bei Erwachsenen und insbesondere bei Frauen können die Symptome weniger auffällig sein. Dadurch kann eine Diagnose über viele Jahre ausbleiben. :contentReference[oaicite:4]{index=4}
Diagnose im Erwachsenenalter: Was ist wichtig?
Einzelne Symptome wie Vergesslichkeit, Unaufmerksamkeit oder gelegentliche Impulsivität bedeuten nicht automatisch, dass eine ADHS vorliegt. Für eine Diagnose kommt es vielmehr auf ein über längere Zeit bestehendes Muster von Beschwerden und deren Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche an.
Hirschhausen betont selbst, dass nicht jede Person, die sich in einzelnen ADHS-Symptomen wiedererkennt, automatisch betroffen ist. Eine fachgerechte Diagnostik ist deshalb entscheidend.
Behandlung von ADHS: Nicht nur Medikamente
Hirschhausen berichtete im Zusammenhang mit seiner Diagnose auch über eigene Erfahrungen mit ADHS-Medikamenten. Er habe verschiedene Wirkstoffe getestet und die Dosierung gemeinsam mit Fachleuten angepasst. Nach seiner Darstellung können Medikamente dabei helfen, die Konzentration und Fokussierung zu verbessern. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
Medikamente sind jedoch nicht die einzige Möglichkeit. Hirschhausen beschreibt eine multimodale Behandlung, zu der je nach individueller Situation unter anderem Aufklärung, Strategien für den Alltag, psychotherapeutische Unterstützung, Bewegung und weitere Maßnahmen gehören können. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
Wichtig: Ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist und welcher Wirkstoff infrage kommt, muss individuell mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson besprochen werden. Medikamente sollten nicht aufgrund einer Fernsehdokumentation oder einer Selbstdiagnose eingenommen werden.
ADHS und mögliche Stärken
Die Dokumentation beschäftigt sich auch mit der Frage, ob bestimmte Eigenschaften, die mit ADHS verbunden sein können, in bestimmten Situationen Vorteile bieten. Hirschhausen spricht beispielsweise über seine Fähigkeit, unterschiedliche Themen miteinander zu verbinden, seine Energie und seine kreative Arbeitsweise. :contentReference[oaicite:8]{index=8}
Solche persönlichen Erfahrungen lassen sich allerdings nicht verallgemeinern. ADHS ist eine neuroentwicklungsbedingte Störung, die bei den Betroffenen sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Neben möglichen Stärken können erhebliche Belastungen im Alltag, im Beruf, in Beziehungen oder bei der Organisation des eigenen Lebens stehen.
„Superpower“ oder Erkrankung?
Der Begriff „Superpower“ wird im Zusammenhang mit ADHS gelegentlich verwendet, um mögliche besondere Fähigkeiten positiv hervorzuheben. Er sollte jedoch nicht dazu führen, die tatsächlichen Belastungen von Betroffenen zu verharmlosen.
Hirschhausen selbst beschreibt seine Situation differenziert. Er bezeichnete sich als moderat betroffen und machte deutlich, dass ADHS für ihn mit zahlreichen kleinen, anstrengenden Alltagssituationen verbunden sein kann. Gleichzeitig erlebt er bestimmte Eigenschaften auch als Ressource. :contentReference[oaicite:9]{index=9}
Warum Aufklärung über ADHS wichtig ist
Die öffentliche Auseinandersetzung mit ADHS kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Menschen zu ermutigen, sich bei anhaltenden Problemen professionelle Unterstützung zu suchen. Gleichzeitig sollte eine Fernsehdokumentation keine medizinische Diagnose ersetzen.
Besonders wichtig ist ein differenzierter Blick: Menschen mit ADHS sind nicht auf ihre Diagnose reduziert. Sie verfügen über individuelle Fähigkeiten, Interessen und Lebensgeschichten. Eine Diagnose kann helfen, Schwierigkeiten besser zu verstehen und geeignete Unterstützung zu finden.
Dr. Eckart von Hirschhausen und seine Wissensdokumentationen
Dr. Eckart von Hirschhausen ist Arzt und Wissenschaftsjournalist und arbeitet seit mehr als 20 Jahren für die ARD. In seinen Wissensdokumentationen beschäftigt er sich mit unterschiedlichen Fragen rund um Gesundheit und Gesellschaft. Dabei verbindet er wissenschaftliche Informationen mit persönlichen Geschichten und Erfahrungen von Betroffenen. Die ARD führt unter anderem Dokumentationen zu ADHS, Long Covid, Adipositas, Schmerzen und Demenz in seinem Programm.
⇒ Zur ARD Mediathek: Hirschhausen – Dokumentationen und Videos
Meine persönliche Einschätzung
Ich persönlich finde es bemerkenswert, dass Hirschhausen offen über seine eigene ADHS-Diagnose spricht. Gerade weil er selbst Arzt ist und in der Öffentlichkeit steht, kann sein Beispiel dazu beitragen, das Thema aus der Tabuzone zu holen.
Für Menschen, die sich selbst in einzelnen Beschreibungen wiedererkennen, sollte seine Geschichte jedoch kein Anlass zur Selbstdiagnose sein. Viel wichtiger ist die Botschaft, dass anhaltende Schwierigkeiten ernst genommen werden dürfen und es professionelle Möglichkeiten zur Abklärung und Unterstützung gibt.
ADHS muss außerdem nicht bedeuten, dass ein erfolgreiches oder erfülltes Leben unmöglich ist. Entscheidend sind eine passende Diagnostik, individuelle Strategien und – wenn erforderlich – eine geeignete Behandlung und Unterstützung.
Fazit: ADHS ist mehr als Unaufmerksamkeit
Die Geschichte von Eckart von Hirschhausen zeigt, dass ADHS auch bei Erwachsenen lange unerkannt bleiben kann. Seine Diagnose während der Dreharbeiten zu „Hirschhausen und ADHS“ hat ihm nach eigener Aussage geholfen, bestimmte Verhaltensweisen und Schwierigkeiten besser einzuordnen.
Gleichzeitig macht sein Beispiel deutlich: ADHS ist individuell. Manche Betroffene erleben vor allem Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulsivität und Organisation, andere kämpfen zusätzlich mit psychischen Belastungen oder Problemen im sozialen und beruflichen Alltag.
Eine fachgerechte Diagnose und eine individuell abgestimmte Unterstützung können dabei helfen, mit den eigenen Stärken und Schwierigkeiten besser umzugehen.
Dr. Eckart Axel von Hirschhausen 2009
Quellen und weiterführende Informationen
- ARD Mediathek: Hirschhausen – Dokumentationen und Videos
- ZEIT ONLINE: Eckart von Hirschhausen über ADHS
- ZEIT ONLINE: Hirschhausen über seine Kindheit und ADHS
- tz: Eckart von Hirschhausen spricht über seine ADHS-Diagnose
- Das Anders: „Hirschhausen und ADHS“
Hirschhausen und ADHS: So kann die Diagnose Leben verändern | Doku | WDR
Eckart von Hirschhausen reist an verschiedene Orte in Deutschland und fragt: Wie leben Betroffene mit der Aufmerksamkeitsstörung und was hilft ihnen wirklich? Werden zu viele Medikamente verschrieben? Zeigt sich ADHS bei Mädchen anders als bei Jungen? Ist ADHS erblich? Und vor allem: Wie oft leiden Erwachsene, ohne von ihrer Störung zu wissen und ohne Hilfe zu bekommen? Neue Studien zeigen: Etwa 2,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen. Das heißt: Ein großer Teil von diesen 1,8 Millionen Menschen hat noch keine Diagnose und keine Behandlung bekommen. Die Publizistin Samira El Ouassil gehört zu den vielen übersehenen Patient:innen, bei denen ADHS erst spät festgestellt wurde. Sie beschreibt die Diagnose als einen der wichtigsten Momente in ihrem Leben.
Häufig fällt ADHS erst auf, wenn Begleit- oder Folgeerkrankungen wie Angstzustände, Depressionen, Essstörungen oder Sucht auftreten. Der Weg bis zur Diagnose ist für ADHS-Betroffene sehr mühsam und langwierig. Es ist schwer, Fachärzt:innen zu finden. Was läuft schief im deutschen Gesundheitswesen?
Wie das Leben aussieht, wenn gleich mehrere Familienmitglieder betroffen sind, zeigt der Besuch bei Familie Franke im Neckartal. Zwei von vier Kindern sind mit ADHS diagnostiziert und auch beim Vater besteht der Verdacht. Vor der Behandlung geriet die Familie regelmäßig an den Rand der Verzweiflung – und auch heute, mit dem Wissen um die Erkrankung, ist der Alltag oft eine Herausforderung.
Gerade im Jugendalter ist ADHS ein großer Risikofaktor für impulsives Verhalten, Konflikte, Unfälle und Drogenabhängigkeit. Eckart von Hirschhausen besucht die Justizvollzuganstalt Meppen und trifft dort Tim. Er nahm mit 15 Jahren Drogen, wurde kriminell und landetet im Knast. Hier bekam er endlich die richtige Diagnose. Damit ist er nicht allein: Untersuchungen zeigen, dass Inhaftierte in Deutschland mindestens fünfmal so häufig von ADHS betroffen sind wie der Rest der Bevölkerung. Wie anders hätte Tims Leben laufen können, wäre sein ADHS früher erkannt worden? Und was kostet die Unterversorgung gesellschaftlich?
Eckart von Hirschhausen trifft in der Reportage auch eine der führenden Forscherinnen für ADHS bei Erwachsenen, die Bonner Psychiaterin Prof. Dr. Alexandra Philipsen. Er lässt sich selbst diagnostizieren: Welche Anteile von ADHS sind bei ihm festzustellen? Ist das der Motor seiner Kreativität? Ab wann ist man eigentlich "gestört"? Und können ihm Medikamente helfen, sich besser zu fokussieren? Hirschhausen: "Es ist nicht meine erste Reportage – aber vielleicht die persönlichste".
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🩷 Mehr Hirschhausen-Dokus in der ARD-Mediathek: https://1.ard.de/hirschhausen?WDRyt_d
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❤️ Eckhart von Hirschhausen auf Instagram: https://www.instagram.com/eckart_von_hirschhausen/
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Du hast den Verdacht selbst betroffen zu sein? Hier findest du weitere Infos & Hilfe:
🧡 ADHS Deutschland e.V.: https://www.adhs-deutschland.de
💛 Zentrales ADHS-Netz: https://www.zentrales-adhs-netz.de
💚 Infoportal ADHS: https://www.adhs.info
🩵 Das ADHS-KOmpendium: https://www.ADxS.org
💙 Eine Auswahl von Spezialambulanzen: https://www.zentrales-adhs-netz.de/spezialambulanzen/
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"Hirschhausen und ADHS" ist eine Produktion der Bilderfest GmbH (Buch: Katharina Schneider, Regie: Kristin Siebert, Produzent: Stefan Otter) aus dem Jahr 2023, im Auftrag des WDR (Redaktion: Daniele Jörg, redaktionelle Mitarbeit: Tina Srowig) für Das Erste.
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