Scientology: Geschichte, Methoden und gesellschaftliche Kritik
Was ist Scientology? Geschichte, Auditing, Kosten und Kritik
Scientology ist eine internationale religiöse Bewegung, die auf den Schriften des amerikanischen Schriftstellers L. Ron Hubbard (1911–1986) basiert. Scientology versteht sich selbst als Religion. Gleichzeitig ist die Organisation wegen ihrer Lehren, ihrer Organisationsstruktur, ihrer Methoden und ihres Umgangs mit Kritikern seit Jahrzehnten Gegenstand kontroverser öffentlicher und staatlicher Bewertungen.
In Deutschland wird die Scientology-Organisation (SO) vom Verfassungsschutz beobachtet. Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt als wesentliches Ziel der Organisation die weltweite Errichtung einer „scientologischen Gesellschaft“. Nach Einschätzung des BfV stehen bestimmte Vorstellungen der Organisation im Widerspruch zum Demokratieprinzip und zu Grundsätzen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung.
Für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist besonders wichtig, zwischen religiösen oder weltanschaulichen Angeboten, medizinischer Behandlung und überprüfbaren wissenschaftlichen Verfahren zu unterscheiden. Kritik an Scientology richtet sich unter anderem gegen den Umgang mit psychischen Erkrankungen, die Kosten bestimmter Angebote und den möglichen sozialen Druck innerhalb der Organisation.
Der Anfang von Scientology
Die Entwicklung von Scientology erfolgte schrittweise. Ausgangspunkt war zunächst die von Hubbard entwickelte Dianetik, aus der sich Anfang der 1950er-Jahre das umfassendere Scientology-System entwickelte.
1. Dianetik ab 1950
- Publikation: Im Mai 1950 veröffentlichte L. Ron Hubbard das Buch „Dianetics: The Modern Science of Mental Health“.
- Konzept: Dianetik wurde als Methode dargestellt, mit der belastende Erfahrungen und sogenannte „Engramme“ bearbeitet werden sollten.
- Auditing: Ein zentraler Bestandteil der späteren Scientology-Praxis wurde das sogenannte Auditing, bei dem ein Auditor eine Person durch festgelegte Gesprächs- und Befragungsverfahren führt.
2. Entwicklung zur Scientology
- Spirituelle Erweiterung: Hubbard erweiterte die ursprüngliche Dianetik um eine spirituelle Lehre über den Menschen.
- Der Thetan: In der Scientology-Lehre wird der Mensch als unsterbliches geistiges Wesen, den sogenannten „Thetan“, verstanden.
- 1950er-Jahre: Aus den ursprünglichen Dianetik-Gruppen entwickelte sich eine organisierte religiöse Bewegung.
3. Institutionalisierung
1954 wurde in Los Angeles die Church of Scientology of California gegründet. In den folgenden Jahrzehnten breitete sich Scientology international aus und entwickelte eine hierarchisch organisierte Struktur.
Scientology heute
- Ziele: Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz strebt die Scientology-Organisation weltweit eine „scientologische Gesellschaft“ an. Das BfV bewertet bestimmte Elemente dieser Zielvorstellungen als unvereinbar mit dem Demokratieprinzip.
- Auditing und Kurse: Scientology bietet verschiedene Kurse und Auditing-Sitzungen an, die innerhalb eines aufeinander aufbauenden Systems organisiert sind.
- Verfassungsschutz: Die Scientology-Organisation gehört in Deutschland weiterhin zu den vom Verfassungsschutz beobachteten Organisationen.
- Internationale Unterschiede: Der rechtliche und gesellschaftliche Status von Scientology unterscheidet sich von Land zu Land erheblich.
Ideologie, Gesundheit und Kritik
Ein besonders kontroverses Thema ist der Umgang von Scientology mit Psychiatrie und bestimmten medizinischen Behandlungsmethoden. Scientology vertritt eine deutliche Kritik an der Psychiatrie und psychiatrischen Behandlung. Kritiker warnen deshalb davor, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen oder anderen gesundheitlichen Problemen medizinische Hilfe durch weltanschauliche Angebote ersetzen könnten.
Für Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kann diese Frage besonders wichtig sein. Eine Behinderung oder psychische Erkrankung sollte nicht als persönliches Versagen verstanden werden. Medizinische, therapeutische und sozialrechtliche Unterstützung sollte auf fachlich überprüfbaren Verfahren beruhen.
Was ist Auditing?
Das Auditing gehört zu den bekanntesten Praktiken von Scientology. Dabei führt ein sogenannter Auditor eine Person durch festgelegte Fragen und Gesprächsabläufe. Ein dabei eingesetztes Gerät wird als E-Meter bezeichnet.
E-Meter: Ein Gerät, das beim Scientology-Auditing eingesetzt wird.
Kernpunkte des Auditings
- Auditor: Eine geschulte Person führt das Gespräch mit dem sogenannten Pre-Clear.
- E-Meter: Das Gerät misst Veränderungen des elektrischen Hautwiderstands.
- Engramme: Nach der Scientology-Lehre sollen belastende Erfahrungen beziehungsweise „Engramme“ identifiziert und bearbeitet werden.
- Clear: Als „Clear“ wird innerhalb der Lehre ein bestimmter geistiger Zustand bezeichnet.
Reinigungsprozesse und Kurssystem
Zum Scientology-Angebot gehören außerdem sogenannte Reinigungs- oder Purification-Prozesse. Dazu können unter anderem körperliche Aktivitäten, Sauna und die Einnahme von Vitaminen gehören. Scientology erklärt diese Verfahren mit eigenen Vorstellungen über Belastungen des Körpers.
Darüber hinaus gibt es ein umfangreiches Kurssystem mit verschiedenen Ausbildungs- und Entwicklungsstufen. Kritiker bemängeln insbesondere die teilweise hohen Kosten und sehen darin ein mögliches finanzielles Abhängigkeitsverhältnis.
Finanzielle und soziale Kritik
- Kosten: Kritiker und ehemalige Mitglieder berichten von hohen finanziellen Belastungen durch Kurse und Auditing.
- Sozialer Druck: Ehemalige Mitglieder berichten teilweise von erheblichem Druck innerhalb der Organisation und Schwierigkeiten beim Ausstieg.
- Umgang mit Kritik: Der Umgang der Organisation mit Kritikern und ehemaligen Mitgliedern ist seit vielen Jahren Gegenstand öffentlicher Kontroversen.
- Besonders verletzliche Menschen: Menschen, die aufgrund von Krankheit, Behinderung, finanziellen Problemen oder sozialen Schwierigkeiten Unterstützung suchen, können grundsätzlich besonders anfällig für Heils- oder Verbesserungsversprechen sein. Eine pauschale Aussage über alle Betroffenen wäre jedoch nicht gerechtfertigt.
Scientology und der Verfassungsschutz
Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Scientology-Organisation als Beobachtungsbereich. Nach dessen Darstellung strebt Scientology eine Gesellschaft an, die sich an den scientologischen Vorstellungen orientiert. Das BfV sieht bestimmte Elemente dieser Zielsetzung als nicht mit dem Demokratieprinzip des Grundgesetzes vereinbar.
Auch der Bayerische Verfassungsschutz führt die Scientology-Organisation als eigenen Beobachtungsbereich auf. Die staatliche Beobachtung bedeutet dabei nicht, dass Scientology in Deutschland verboten wäre.
Für eine sachliche Auseinandersetzung ist deshalb wichtig, zwischen den Selbstdarstellungen der Organisation, den staatlichen Bewertungen und den Berichten ehemaliger Mitglieder und anderer Kritiker zu unterscheiden.
Scientology – zwischen Religion, Organisation und Kritik
Scientology bezeichnet sich selbst als Religion und verfügt in verschiedenen Ländern über unterschiedliche rechtliche Anerkennungen. Gleichzeitig gibt es erhebliche Kritik an der Organisation und ihren Methoden. Besonders in Deutschland steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit bestimmte scientologische Zielvorstellungen mit dem demokratischen Rechtsstaat und den Grundrechten vereinbar sind.
Gerade bei Menschen mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen sollte darauf geachtet werden, medizinische und therapeutische Entscheidungen nicht allein aufgrund weltanschaulicher Versprechen zu treffen. Fachärztliche, psychotherapeutische und sozialrechtliche Beratung kann dabei eine wichtige Orientierung bieten.
Sabrina über die GEHEIMNISSE von SCIENTOLOGY | FRAG EINE EX-SCIENTOLOGIN
Doch selbst nach dem Ausstieg lassen ihre ehemaligen Weggefährten sie nicht in Ruhe. Heute will sie andere vor den Gefahren von Scientology warnen.
Wir haben Sabrina eure Fragen gestellt!
00:00 Intro
00:24 Wie bist du auf Scientology gestossen?
00:57 Bist du sauer auf die Mutter deiner Freundin?
01:19 Wie bist du dazu gekommen, für Scientology zu arbeiten?
01:55 Wie hoch war das Gehalt bei Scientology?
02:20 Was ist Scientology überhaupt?
02:56 Wie ist Scientology organisiert und wie wird es finanziert?
04:11 Was ist ein E-Meter?
05:12 Glauben die obersten Scientologen selbst an Scientology?
05:43 Leben Scientologen isoliert oder ganz normal in der Gesellschaft?
06:17 Wie sieht Freundschaft innerhalb von Scientology aus?
07:02 Stimmt es, dass Scientology-Mitglieder jeglichen Kontakt zu Leuten abbrechen müssen, die auch nur minimal kritisch darüber denken?
08:02 Wie wird über Nicht-Scientologen gesprochen?
08:28 Was glaubst du, warum ausgerechnet so viele Stars Scientology beitreten?
09:03 Was ist das gefährlichste an Scientology?
09:46 Was ist das schlimmste, was dir bei Scientology passiert ist?
10:43 Gab es einen bestimmten Moment, wo dir das Unrecht bewusst geworden ist?
11:57 Wie bist du aus Scientology ausgestiegen?
13:00 Wie hat sich dein Leben nach dem Ausstieg verändert? (sowohl persönlich als auch beruflich)
14:03 Was empfiehlst du Personen, die Scientologen im Umfeld haben?
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FRAG EIN KLISCHEE ist das Format, bei dem ihr ungewöhnlichen Menschen Fragen stellt, die ihr euch sonst nicht laut zu stellen traut.
Wir verraten euch regelmäßig, wer uns als nächstes besucht – und ihr postet eure Fragen auf:
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