Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?
Aktualisiert: 18.08.2026
Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), englisch Post-Traumatic Stress Disorder (PTSD), ist eine psychische Erkrankung, die nach einem traumatischen oder außergewöhnlich belastenden Ereignis entstehen kann. Zu möglichen Auslösern gehören beispielsweise Krieg, schwere Unfälle, Naturkatastrophen, Gewalterfahrungen oder sexualisierte Gewalt.
Nicht jeder Mensch entwickelt nach einem traumatischen Erlebnis eine PTBS. Ob eine solche Erkrankung entsteht, hängt unter anderem von der Art und Schwere des Erlebnisses, wiederholten Belastungen, persönlichen Voraussetzungen und vorhandener sozialer Unterstützung ab. Die Beschwerden können unmittelbar oder auch erst längere Zeit nach dem Ereignis auftreten.
Wie entsteht eine PTBS?
Ein Trauma kann die Verarbeitung von Erinnerungen, Gefühlen und körperlichen Reaktionen nachhaltig beeinflussen. Manche Betroffene erleben das Ereignis später wieder, vermeiden alles, was sie daran erinnert, oder befinden sich dauerhaft in einer Art Alarmbereitschaft.
Zu den möglichen traumatischen Erfahrungen gehören:
- Krieg und bewaffnete Konflikte
- Gewalt und Gewaltverbrechen
- sexualisierte Gewalt und Missbrauch
- schwere Unfälle
- Naturkatastrophen
- lebensbedrohliche medizinische Ereignisse
Besonders belastend können wiederholte oder über längere Zeit andauernde traumatische Erfahrungen sein. Auch Menschen, die ein traumatisches Ereignis als Zeugin oder Zeuge miterleben, können psychisch schwer belastet werden.
PTBS bei Soldatinnen, Soldaten und Veteranen
Menschen, die in Kriegsgebieten oder bei Kampfeinsätzen extremen Belastungen ausgesetzt waren, können ein erhöhtes Risiko für eine PTBS haben. Auch ehemalige Soldatinnen und Soldaten können noch Jahre nach einem Einsatz unter traumatischen Erinnerungen und anderen Beschwerden leiden.
Bei Veteranen können sich Symptome beispielsweise durch wiederkehrende Erinnerungen, Albträume, Schlafprobleme, erhöhte Wachsamkeit, Reizbarkeit oder sozialen Rückzug zeigen. Auch Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen können zusätzlich auftreten.

Sexualisierte Gewalt als mögliche Ursache einer PTBS
Sexualisierte Gewalt kann für Betroffene eine schwerwiegende traumatische Erfahrung darstellen und mit erheblichen psychischen Folgen verbunden sein. Eine PTBS kann unter anderem nach Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch entstehen.
Die polizeiliche Kriminalstatistik bildet allerdings nur das sogenannte Hellfeld ab, also Fälle, die der Polizei bekannt werden. Nicht angezeigte Taten werden darin nicht erfasst. Deshalb können die Zahlen der Kriminalstatistik nicht als vollständige Abbildung der tatsächlichen Häufigkeit sexualisierter Gewalt verstanden werden.
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen
- 53.451 weibliche Opfer: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 53.451 weibliche Opfer von Sexualdelikten polizeilich erfasst. Das waren 2,1 Prozent mehr als 2023.
- Viele Minderjährige: Knapp die Hälfte der weiblichen Opfer war zum Zeitpunkt der Tat minderjährig.
- Verschiedene Delikte: Zu den erfassten Straftaten gehörten unter anderem sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Übergriffe und sexueller Missbrauch.
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Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik und beschreiben ausschließlich die polizeilich bekannt gewordenen Fälle.
Auch bekannte Persönlichkeiten haben über traumatische Erfahrungen und psychische Erkrankungen gesprochen. Weitere Informationen finden Sie im Beitrag: PTBS und Lady Gaga.
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche
- 18.085 betroffene Kinder: Im Jahr 2024 wurden 18.085 Kinder als Opfer von sexuellem Missbrauch erfasst.
- Mädchen häufiger betroffen: 13.365 der erfassten Opfer waren Mädchen und 4.720 Jungen.
- Bekannte Täter: In 57 Prozent der Fälle bestand eine nachgewiesene Vorbeziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigem.
- Großes Dunkelfeld: Die polizeilich erfassten Zahlen bilden nur einen Teil der tatsächlichen Fälle ab. Viele Taten werden nicht angezeigt und bleiben daher statistisch unsichtbar.
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Die Zahlen stammen aus dem Bundeslagebild zu Sexualdelikten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen 2024.
Typische Symptome einer PTBS
Die Beschwerden einer PTBS können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Häufig werden sie in mehrere typische Symptomgruppen eingeteilt. Dazu gehören das Wiedererleben des Traumas, Vermeidung, negative Veränderungen von Gedanken und Stimmung sowie eine anhaltend erhöhte innere Anspannung.
- Wiedererleben: Unfreiwillige und belastende Erinnerungen, Flashbacks oder Albträume können dazu führen, dass sich das traumatische Ereignis erneut sehr real anfühlt.
- Vermeidung: Betroffene vermeiden möglicherweise Gedanken, Gespräche, Orte, Personen oder Situationen, die sie an das traumatische Erlebnis erinnern.
- Negative Gedanken und Stimmung: Es können Schuldgefühle, Angst, Scham, ein vermindertes Selbstwertgefühl, emotionale Taubheit, Interessenverlust oder ein Rückzug aus sozialen Kontakten auftreten.
- Übererregbarkeit: Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit und eine anhaltende innere Alarmbereitschaft sind möglich.
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Eine PTBS kann außerdem mit Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen oder anderen psychischen Beschwerden einhergehen.
Wie wird eine PTBS diagnostiziert?
Eine Diagnose sollte durch eine Ärztin, einen Arzt, eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten gestellt werden. Dabei werden die Beschwerden, das traumatische Erlebnis und die Auswirkungen auf den Alltag betrachtet.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen. Nach einem traumatischen Erlebnis können beispielsweise ebenfalls depressive Beschwerden oder Angststörungen auftreten.
Unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis auftretende Beschwerden sind nicht automatisch eine PTBS. Für die Diagnose ist unter anderem entscheidend, wie lange die Symptome bestehen und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.
Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung
Die Behandlung sollte individuell auf die betroffene Person, ihre Beschwerden und ihre persönlichen Ziele abgestimmt werden. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur PTBS von 2026 empfiehlt als primäre Behandlung eine traumafokussierte Psychotherapie. Die aktuelle Leitlinie ist seit dem 27. Februar 2026 gültig.
Traumafokussierte Psychotherapie
Traumafokussierte psychotherapeutische Verfahren helfen dabei, die traumatischen Erinnerungen und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Dazu gehören insbesondere traumafokussierte Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie sowie weitere evidenzbasierte traumatherapeutische Ansätze.
EMDR
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Das Verfahren kann im Rahmen einer Psychotherapie eingesetzt werden und gehört zu den etablierten traumafokussierten Behandlungsmöglichkeiten.
Medikamentöse Behandlung
Medikamente können in bestimmten Situationen ergänzend eingesetzt werden. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Stärke der PTBS-Symptome, Begleiterkrankungen und den persönlichen Umständen ab.
Die aktuelle S3-Leitlinie betont, dass bei Erwachsenen eine traumafokussierte Psychotherapie die primäre Behandlung darstellen soll. Eine medikamentöse Behandlung kann in bestimmten Fällen zusätzlich oder als Alternative infrage kommen, wenn eine Psychotherapie nicht möglich oder nicht ausreichend wirksam ist.
Verlauf und Prognose
Eine PTBS kann unterschiedlich verlaufen. Beschwerden können sich nach dem traumatischen Ereignis relativ schnell entwickeln oder erst Monate beziehungsweise Jahre später auftreten. Bei manchen Menschen gehen die Beschwerden wieder zurück, während sie bei anderen länger anhalten und chronisch werden können.
Wie sich eine PTBS entwickelt, hängt unter anderem von der Art und Dauer des Traumas, weiteren Belastungen, persönlichen Schutzfaktoren und sozialer Unterstützung ab. Eine professionelle Behandlung kann dabei helfen, die Beschwerden zu reduzieren und den Alltag wieder besser zu bewältigen.
Unterstützung und Alltag mit PTBS
Ein stabiles und verständnisvolles soziales Umfeld kann für Menschen mit PTBS eine wichtige Unterstützung sein. Angehörige und Freunde können helfen, indem sie zuhören, Sicherheit vermitteln und die betroffene Person nicht unter Druck setzen, über das Trauma zu sprechen.
Auch im beruflichen und sozialen Alltag können Anpassungen notwendig sein. Je nach Situation können psychotherapeutische Behandlung, psychosoziale Beratung, medizinische Betreuung oder Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung hilfreich sein.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wer nach einem traumatischen Erlebnis über längere Zeit unter Flashbacks, Albträumen, Vermeidungsverhalten, starker Angst, Schlafproblemen oder anderen erheblichen Beschwerden leidet, sollte professionelle Hilfe suchen.
Eine PTBS ist behandelbar. Betroffene müssen die Erkrankung nicht allein bewältigen. Eine fachliche Abklärung kann helfen, geeignete Behandlungsmöglichkeiten und weitere Unterstützung zu finden.
Wichtig: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Diagnose und Behandlung.
Weiterführende Informationen
-
- S3-Leitlinie PTBS 2026
- Neurologen und Psychiater im Netz: PTBS – Therapie
- Neurologen und Psychiater im Netz: PTBS – Prognose
- Sozialrat: Posttraumatische Belastungsstörung
- BKA: PKS 2024 – Opfertabellen
- Gegen Missbrauch e. V.
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